Höhen und Tiefen

Nach einem erfolgreichen Sommer mit zwei Höhentrainingslagern hatte ich nach einem kleinen Infekt im Oktober zunächst etwas Mühe. Die Trainings verliefen nicht ganz wunschgemäss und ich musste vom geplanten hohen Trainingsumfang etwas kürzertreten. Auf Schnee ging es dann aber trotzdem Anfang November nach Davos, auch wenn die Form dort noch nicht ganz bei 100% war. Doch die Trainings wurden immer besser und ich wusste, dass es nur noch ein kleines Zäckchen brauchte, bevor ich wieder wettkampfready war. Meine Geduld und Zuversicht zahlten sich aus und pünktlich zum Saisonstart war ich wieder voll fit.
 
Mit grosser Vorfreude reiste ich in den Norden für das erste Weltcup-Wochenende in Ruka, Kuusamo. Im ersten Rennen über 10 km klassisch sowie im Sprint lief ich direkt in die Top 20. Auch wenn mir nur gerade 0,02 Sekunden für den Halbfinal fehlten, durfte ich sehr zufrieden sein. Am Folgetag fühlte ich mich zwar gut und war auf Top-15-Kurs, musste die Gruppe nach einem Stockbruch leider ziehen lassen und wurde 34.

Am Montag ging es dann nach Trondheim. Mit guten Erinnerungen konnte ich auch dort starke Leistungen zeigen und meine aufstrebende Form in allen Disziplinen bestätigen. Sehr erfreulich war, dass ich als erste Schweizerin bereits sowohl die Distanz- als auch die Sprint Olympiakriterien erfüllt hatte. Natürlich war dies noch nicht offiziell, aber ich konnte mich dadurch noch mehr auf die einzelnen Rennen fokussieren.

Direkt nach Trondheim stand wie jedes Jahr das Davos Nordic an. Im Teamsprint war meine Teamkollegin Nadine Fähndrich leider nicht am Start, wodurch die Erwartungen etwas sanken. So durfte ich mit Fabienne Alder, die zum ersten Mal einen Weltcup-Teamsprint bestritt, zusammenspannen. Meine Ablösungen gelangen super, ich konnte immer wieder Plätze gutmachen und eine gute Hauptprobe für Olympia abliefern. Auch am Folgetag lief ich im Sprint ins Halbfinale und wurde erfreuliche 10. Am Sonntag bestritt ich zudem mein 9. Weltcuprennen in Folge. Auch dies war ein gutes Distanzrennen, das ich erneut in den Top 20 abschliessen konnte.

Nachdem ich als eine der wenigen Athletinnen alle Weltcuprennen bestritten hatte, folgte eine kurze Weihnachtspause, bevor es am 26. Dezember bereits nach Toblach zur Tour de Ski ging.
In Toblach gelangen mir gute Rennen und ich reiste sehr zuversichtlich zur 5. Etappe nach Val di Fiemme auf die Olympiastrecke. Auch wenn der Prolog noch nicht optimal war, konnte ich mich in der Sprint-Hauptprobe bis ins Finale steigern und mir den starken 6. Platz sichern – mein zweitbestes Sprintergebnis meiner Karriere. Auch der Final Climb (19.) gelang mir sehr gut, sodass ich mir den 18. Gesamtrang als beste Schweizerin an der Tour de Ski sichern konnte.

Eine Woche nach der Tour wurde ich leider krank und musste eine viertägige Trainingspause einlegen sowie den Weltcup in Oberhof auslassen. Den Heimweltcup und letzten Wettkampf vor Olympia wollte ich mir jedoch nicht nehmen lassen. Leider musste ich auf den Teamsprint verzichten, um mir einen zusätzlichen Tag Erholung zu gönnen, doch am Folgetag überraschte ich mich selbst ein wenig. Nachdem ich die Qualifikation für die Heats überstanden hatte, kam ich immer besser in Schwung. Es tat richtig gut, wieder etwas Schnelles zu machen und ich konnte mir bereits mein drittes Top-10-Resultat in dieser Saison sichern. Auch den 20 km klassisch Massenstart nahm ich noch mit und lief erneut in die Top 20.

Direkt nach Goms wurde ich offiziell für meine zweiten Olympischen Spiele selektioniert. Nach dem Heimweltcup durften wir direkt zur Kleiderabgabe und weiter ins letzte Vorbereitungslager nach Seefeld. Nach einem guten Trainingslager ging es dann endlich los – mit dem Skiathlon als Einstieg und Vorbereitung auf den Sprint, eine meiner Zieldisziplinen. Im Skiathlon hatte ich etwas mit Krämpfen zu kämpfen und klassierte mich auf Rang 25. Drei Tage später stand der Klassisch Sprint an. Mit einem sehr guten Gefühl und einer soliden Qualifikation startete ich in den Viertelfinal. Nach einem sehr starken Rennen und taktisch clever gelaufen, scheiterten doch alle Schweizer/innen im Viertelfinal nach der letzten Abfahrt. Als beste Schweizerin klassierte ich mich auf Rang 18. Leider war es nicht der beste Tag und wir hatten etwas mit dem Material zu kämpfen. Doch die Spiele gingen weiter und es warteten noch coole Rennen auf uns. Nach Absprache und Planung mit der Trainerin liess ich das 10 km Skatingrennen aus, damit ich mich voll und ganz auf die Teamwettkämpfe konzentrieren konnte. Beim Staffelrennen konnten wir mit einer guten Leistung das erste Diplom holen. Doch dann kam für mich leider die grosse Enttäuschung. Am Abend nach der Staffel wurde ich nicht für den Teamsprint selektioniert, bei
dem Nadine und ich vorgesehen waren – ausser jemand wäre an den Olympischen Spielen nicht in Form oder krank. Für mich war dies eine extreme Enttäuschung. Nicht nur die Selektion an sich, sondern auch, wie die Kommunikation verlief und dass es nicht wirklich transparent war. Noch nie war ich in meiner Karriere so mental am Boden, da mir etwas aus der Hand genommen wurde, wofür man eigentlich nichts konnte. Nach Absprache mit den Verantwortlichen waren sie dann einverstanden, dass ich die Olympischen Spiele frühzeitig beenden durfte und ich ein bisschen Sorge zu mir selbst tragen sollte. Nach ein paar Tagen zu Hause packte ich meine Sachen und mein Velo und stieg in den Flieger nach Alicante, wo mein Freund sein Trainingslager hatte. So konnte ich für gut fünf Tage den Kopf lüften und ein bisschen für den Triathlon trainieren. Nach diesem Kurztrip war die ganze Geschichte schon völlig verdaut und ich nahm die letzte Saisonperiode motiviert in Angriff.

Los ging es mit dem Weltcup in Falun. Direkt konnte ich meinen vom Gefühl her besten Sprint meiner Karriere zeigen. Ich habe mein ganzes Herz in die Hand genommen und lief direkt auf Platz 7 und konnte im Halbfinal für extrem hohes Tempo sorgen und Zeichen setzen. Auch der darauffolgende Skiathlon war gut und ich konnte mich auf Rang 16 platzieren.

Weiter ging es mit zwei weiteren Wettkämpfen in Lahti. Dort lief das 10 km Rennen ein wenig besser und ich konnte mich wieder in den Top 20 platzieren. Der Citysprint in Drammen stand dann als Nächstes an. Mit einer guten Qualifikation als 13. fehlte mir leider auf der letzten Zielgeraden ein bisschen, um mich für die Halbfinals zu qualifizieren und ich wurde 14.

Zum Saisonfinale stand das Wochenende in Lake Placid an. Erneut konnte ich mit zwei guten Distanzrennen zeigen, dass ich auch auf der Distanz bereit bin. Und im Sprint konnte ich wieder eines meiner besten Rennen zeigen. Platz 9 in der Quali und Platz 11 am Schluss zeigten, dass ich in diesem Jahr einen riesigen Schritt gemacht habe.

Insgesamt war es eine Saison, mit der ich extrem zufrieden sein darf. Konstante gute Resultate sind genau das, was man als Grundstein für eine erfolgreiche Karriere braucht und worauf man weiter aufbauen kann. Auch wenn ich mein grosses Ziel nicht ganz erreicht habe, komme ich gestärkt zurück und nehme viel Positives aus diesem Winter mit.

Stats 2025/26
Gesamtweltcup: 12. Platz
Sprintweltcup: 12. Platz
Distanzweltcup: 22. Platz

Stats 2024/25
Gesamtweltcup: 23. Platz 
Sprintweltcup: 17. Platz 
Distanzweltcup: 34. Platz 

Nach einer gut einwöchigen Pause bin ich letzte Woche wieder in den Aufbau für die kommende Triathlonsaison gestartet.